Mitarbeiterbefragung Ergebnisse kommunizieren: Leitfaden für HR und Führungskräfte

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Mitarbeiterbefragung Ergebnisse kommunizieren Antwortverhalten

Bevor Sie Befragungsergebnisse kommunizieren können, müssen Sie überlegen, ob in Ihrem Team überhaupt psychologische Sicherheit vorhanden ist. Sonst werden Zahlen schnell zur Bedrohung statt zur Chance.

Mitarbeiterbefragungen sind nur so wertvoll wie der Umgang mit ihren Ergebnissen im Anschluss. Die Art, wie Befragungsergebnisse kommuniziert werden, entscheidet darüber, ob Mitarbeitende sich ernstgenommen fühlen und aus dem Feedback lernen können, oder ob die Ergebnisse nach Abschluss der Befragung keinen Effekt haben.

Wie Sie Ergebnisse formulieren, zum richtigen Zeitpunkt verteilen und rollenspezifisch aufbereiten, entscheidet darüber, ob aus Zahlen echte Lernprozesse werden oder Mitarbeitende das Gefühl bekommen, dass ihre Antworten folgenlos bleiben.

Psychologische Sicherheit als Grundlage ehrlicher Ergebniskommunikation

Das Konzept psychologische Sicherheit nach Edmondson beschreibt ein Arbeitsklima, in dem Mitarbeitende sich sicher fühlen, Fragen zu stellen, Kritik zu äußern oder Fehler zuzugeben, ohne Angst zu haben, dass sich daraus für sie negative Konsequenzen ergeben. Durch diese kritische und offene Auseinandersetzung mit Problemen ergibt sich eine wichtige Grundlage, die Lernen ermöglicht. In psychologisch sicheren Teams kann Feedback offen diskutiert statt nur oberflächlich präsentiert werden.

Wichtig zu beachten: Psychologische Sicherheit kann nicht erst bei der Kommunikation von Befragungsergebnissen etabliert werden, sondern sollte als Voraussetzung hierfür angesehen werden. Nur wenn schon vorher psychologische Sicherheit in Ihrem Team herrscht, kann mit kritischen Ergebnissen konstruktiv umgegangen werden.

Durch Maßnahmen wie regelmäßige Reflexions-Formate kann der Umgang mit kritischen Ergebnissen geübt werden, und Mitarbeitende lernen, dass in ihrem Team über Schwierigkeiten gesprochen werden kann, ohne dass sich hieraus negative Konsequenzen für sie ergeben. Führungskräfte, die Mitarbeitenden aktiv zuhören und mit offenen Fragen statt mit Schuldzuweisungen reagieren, fördern das Vertrauen der Mitarbeitenden.

Führungskräfte können außerdem eine Vorbildfunktion einnehmen und eigene Fehler offen im Team ansprechen und Mitarbeitenden auf diesem Weg psychologische Sicherheit signalisieren.

Wie Menschen auf Kritik reagieren, wenn sie sich bewertet fühlen

Viele Mitarbeitende erleben Feedback als Urteil über ihre Person, was Defensivreaktionen wie Rechtfertigung, Gegenangriff oder Selbstschutz auslösen kann und damit den Fokus weg vom Lernen zieht. Diese Bewertungsangst sollte bei der Kommunikation der Befragungsergebnisse nicht vergessen werden, da sie sich negativ auf die Akzeptanz der Ergebnisse auswirken kann.

Global formulierte Kritik aktiviert Abwehrreaktionen. Besser eignet sich daher konkretes, verhaltensbezogenes Feedback. So wird sichergestellt, dass die Mitarbeitenden aus ihrem Feedback lernen können und sich nicht persönlich angegriffen fühlen.

Bei der Kommunikation von Ergebnissen einer Mitarbeiterbefragung sollte daher betont werden, dass es nicht um die Identifikation von guten und schlechten Mitarbeitenden geht, sondern um die Identifikation und Bewertung von Mustern, Abläufen und Führungsverhalten.

Ergebnisse rollenspezifisch aufbereiten

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Framing-Effekte: Wie dieselben Zahlen als Bedrohung oder Chance wirken

Inhaltlich identische Informationen können je nach Formulierung und Kontext sehr unterschiedlich wahrgenommen und bewertet werden. Das Framing entscheidet bei der Kommunikation von Befragungsergebnissen, wie Mitarbeitende das Feedback aufnehmen. In der Kommunikationspsychologie wird hier nach Kahneman und Tversky die Unterscheidung in Loss Framing und Gain Framing vorgenommen.

Gain Framing betont Entwicklungschancen und erleichtert es Mitarbeitenden, Feedback anzunehmen. Loss Framing hingegen führt eher zu einer Abwehrhaltung, da Feedback leichter als Bedrohung statt als Chance wahrgenommen wird. Durch Anpassung von Formulierungen wie „40 Prozent der Mitarbeitenden empfinden die Kommunikation als schlecht" zu „60 Prozent der Mitarbeitenden sind mit der Kommunikation zufrieden" ändert sich das Framing stark und damit auch die Art, wie Mitarbeitende das Feedback wahrnehmen.

Unterschiedliche Formulierungen können bei jeder Person konkrete Erinnerungen und Emotionen hervorrufen. Wichtig ist hier aber, dass das Framing auch nicht zu positiv sein sollte, da sonst Fakten verschleiert werden könnten. Eine Balance aus Betonung von Entwicklungschancen und klarer Kommunikation sollte individuell gefunden werden.

Erwartungsmanagement und psychologischer Vertrag

Im psychologischen Vertrag sind nach Rousseau gegenseitige, wahrgenommene und oftmals unausgesprochene Erwartungen zwischen den Mitarbeitenden und dem Unternehmen enthalten. Werden diese Erwartungen enttäuscht, entsteht ein Gefühl von Ungerechtigkeit, Vertrauensverlust und Demotivation.

Insbesondere bei Veränderungsprozessen wie zum Beispiel Mitarbeiterbefragungen entstehen psychologische Verträge. Mitarbeitende erwarten, dass ihre Antworten ernstgenommen und aus ihnen konkrete Folgeprozesse abgeleitet werden.

Unerfüllte Erwartungen, die unter anderem entstehen können, wenn eine Mitarbeiterbefragung groß angekündigt wird und Ergebnisse im Anschluss nicht ausreichend kommuniziert beziehungsweise nicht für die Ableitung von Maßnahmen genutzt werden, können negativere Auswirkungen haben als schlechte Ergebnisse selbst, da durch den Bruch des psychologischen Vertrags das Vertrauen der Mitarbeitenden geschädigt wird.

Erwartungsmanagement bedeutet hier, dass von Beginn an transparent kommuniziert wird, wann Ergebnisse mitgeteilt werden und was mit den Ergebnissen passiert. So werden realistische Erwartungen an die Mitarbeiterbefragung gestellt und ein Bruch des psychologischen Vertrags verhindert.

Die größten Schäden im Rahmen einer Mitarbeiterbefragung entstehen nicht durch schlechte Ergebnisse.

Sie entstehen durch nicht eingehaltene Versprechen. Erwartungsmanagement ist deshalb kein Nice-to-have, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor der Ergebniskommunikation.

Der psychologische Vertrag beginnt vor der Befragung

Wie Sie Erwartungsmanagement, Fragebogendesign und Durchführung von Anfang an aufeinander abstimmen, lesen Sie im Leitfaden Mitarbeiterbefragung.

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Der richtige Zeitpunkt: Warum zu spät mehr schadet als noch nicht perfekt

Bei dem richtigen Zeitpunkt für die Ergebniskommunikation geht es nicht um einen perfekten Tag oder eine bestimmte Kalenderwoche, sondern darum, die Erwartungen der Mitarbeitenden zu erfüllen und Unsicherheit zu vermeiden.

Unmittelbar nach der Befragung fragen sich die Mitarbeitenden, ob ihre Stimmen gehört wurden und ernstgenommen werden. Bleibt die Kommunikation nach der Befragung aus, kann dies zu Spekulation führen und Enttäuschung auslösen. Um dies zu vermeiden, empfiehlt sich eine frühe, transparente Erstkommunikation, in der den Mitarbeitenden mitgeteilt wird, dass die Befragung beendet ist und die Daten nun ausgewertet werden.

Wer lange schweigt, erzeugt möglicherweise den Eindruck, dass die Befragung nicht ernstgenommen wird oder etwas vertuscht werden soll. Beides schädigt das Vertrauen der Mitarbeitenden und senkt die Bereitschaft, an einer weiteren Mitarbeiterbefragung teilzunehmen und ehrliche Antworten zu geben. Für Führungskräfte bedeutet das: lieber einmal mehr kommunizieren, dass die Analysen noch etwas Zeit benötigen, als zu schweigen.

Auch bei erwartbar kritischen Ergebnissen gilt es, zeitnah zu kommunizieren. Späte Kommunikation verstärkt die bereits vorhandene Unsicherheit und Spekulationen. Durch zeitnahe Kommunikation verhindern Sie, dass Mitarbeitende sich mit ihren Sorgen allein gelassen fühlen, und schaffen Raum für offene Diskussion. Das stärkt die psychologische Sicherheit und das Vertrauen der Mitarbeitenden.

Was das für die Kommunikation an HR, Führungskräfte und Mitarbeitende bedeutet

Die Ergebniskommunikation sollte je nach Zielgruppe angepasst werden. Wer allen die gleichen Informationen zur Verfügung stellt, überfordert die einen und unterversorgt andere.

HR dient als Schnittstelle zwischen Daten, Führungskräften und Mitarbeitenden und benötigt eine hohe Datentiefe, um diese Rolle ausfüllen zu können. HR trägt aktiv dazu bei, dass eine Mitarbeiterbefragung als Entwicklungsmöglichkeit statt als reine Stimmungsabfrage angesehen wird. Außerdem sollten Interpretationshilfen zur Verfügung gestellt werden, um Interpretationsfehler bei der Auswertung zu vermeiden. So wird sichergestellt, dass Ergebnisse mit entsprechenden Leitlinien korrekt eingeordnet werden und im gesamten Unternehmen dieselbe Sprache etabliert wird. Zeitlich bedeutet dies, dass HR die ersten vollständigen Ergebnisberichte noch vor Führungskräften und Mitarbeitenden erhält.

Führungskräfte benötigen eine etwas geringere Datentiefe als HR, aber genug Kontext, um zu verstehen, was die Ergebnisse konkret für ihr Team und auf Unternehmensebene bedeuten. Hier empfiehlt es sich, klare Ergebnisberichte auf Teamebene mit einzelnen unternehmensweiten Vergleichswerten zur Verfügung zu stellen. Auch Führungskräften sollen Interpretationshilfen der Ergebnisse mit an die Hand gegeben werden.

Als zeitlicher Ablauf wird empfohlen, Führungskräfte kurz nach HR und Management über die Befragungsergebnisse zu informieren und einen zeitlichen Puffer bis zur Kommunikation der Ergebnisse an die Mitarbeitenden einzuplanen. So haben Führungskräfte genug Zeit, sich selbst mit den eigenen Ergebnissen zu befassen, diese zu reflektieren und eine positive, lernorientierte Haltung gegenüber den Mitarbeitenden einzunehmen.

Für Mitarbeitende sollte die Datenmenge auf das Wichtigste reduziert und auf Detailauswertungen verzichtet werden. Aggregierte Kernergebnisse, kombiniert mit einer Einordnung der Unternehmensführung, geben Mitarbeitenden einen guten Überblick über die konkreten Ergebnisse der Befragung und zeigen gleichzeitig, wie die Unternehmensführung die Ergebnisse einschätzt und dass die Ergebnisse ernstgenommen werden. Das sollte auch durch einen Ausblick auf abzuleitende Maßnahmen verdeutlicht werden. Grobe Zeitpläne und eine Ankündigung, dass Mitarbeitende in die Entscheidungen mit einbezogen werden, sind zu diesem Zeitpunkt meist ausreichend.

Häufige Fragen

Wann sollten Befragungsergebnisse nach Abschluss einer Mitarbeiterbefragung kommuniziert werden?+

Idealerweise informieren Sie Mitarbeitende bereits kurz nach Abschluss der Befragung darüber, dass die Auswertung begonnen hat. Die vollständigen Ergebnisse sollten dann innerhalb weniger Wochen kommuniziert werden, HR und Management zuerst, gefolgt von Führungskräften und zuletzt den Mitarbeitenden. Entscheidend ist nicht ein perfekter Zeitpunkt, sondern dass lange Funkstille vermieden wird.

Wer sollte die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung zuerst erhalten?+

HR erhält die ersten vollständigen Ergebnisberichte, da die Abteilung als Schnittstelle zwischen Daten, Führungskräften und Mitarbeitenden fungiert. Führungskräfte folgen kurz danach mit ausreichend zeitlichem Puffer, um sich mit den eigenen Teamergebnissen auseinanderzusetzen. Mitarbeitende erhalten aggregierte Kernergebnisse zuletzt.

Was tun, wenn die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung kritisch ausfallen?+

Auch kritische Ergebnisse sollten zeitnah kommuniziert werden, spätes Schweigen verstärkt Unsicherheit und Spekulation stärker als schlechte Zahlen selbst. Konkretes, verhaltensbezogenes statt pauschales Feedback hilft, Abwehrreaktionen zu vermeiden. Gain Framing, also die Betonung von Entwicklungschancen statt Defiziten, erleichtert zusätzlich die Akzeptanz.

Wie viele Details sollten Mitarbeitende bei der Ergebniskommunikation erhalten?+

Für Mitarbeitende reichen aggregierte Kernergebnisse kombiniert mit einer Einordnung durch die Unternehmensführung, Detailauswertungen sind hier nicht notwendig. Ergänzend sollte ein grober Ausblick auf abzuleitende Maßnahmen und Beteiligungsmöglichkeiten gegeben werden. Zu viele Daten überfordern eher, als dass sie Vertrauen schaffen.

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